Zwischen Neuanfang und Altlasten: AfD-Jugend „Generation Deutschland“ im Krisenmodus

01.04.2026


Die niedersächsische AfD-Politikerin Julia Gehrckens, Vorstandsmitglied der neuen AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland (GD), steht nach bekannt gewordenen rassistischen und antisemitischen Äußerungen parteiintern unter Druck. Auslöser sind verdeckte Filmaufnahmen, die im Zuge einer gemeinsamen Recherche von RTL und dem Magazin „Stern“ entstanden und in denen Gehrckens unter anderem Pforzheim als „gottlose Kanaken-Stadt“ und politische Gegner als „geisteskrank“ bezeichnet haben soll. Zudem soll sie der Behauptung zugestimmt haben, US-Banken gehörten „den Juden“.

Die Parteiführung reagierte mit Distanzierungen und formalen Rügen, verzichtet bislang aber auf weitergehende Konsequenzen. Ein Sprecher der AfD-Jugendorganisation erklärte gegenüber dem „Stern“, einzelne Äußerungen Gehrckens hätten „in Teilen nicht unserem Anspruch an eine sachliche Auseinandersetzung“ entsprochen. Gehrckens habe ihre „Wortwahl eingeräumt“ und die interne Kritik sowie ausgesprochene Rügen akzeptiert. Der niedersächsische AfD-Landesverband nannte die Aussagen „unangemessen, geschmacklos und inhaltlich problematisch“ und erklärte sie für inakzeptabel – auch dann, wenn sie im vermeintlich privaten Rahmen gefallen seien. Gehrckens habe ihr Verhalten demnach „sehr bedauert“.

Auf Bundesebene wurde Gehrckens vom AfD-Bundesvorstand um eine schriftliche Stellungnahme gebeten, wie aus Parteikreisen bestätigt wurde. Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung wird innerhalb der Partei zudem eine Strafe gegen sie geprüft. Zuvor hatte es bereits Ordnungsmaßnahmen gegen den AfD-Nachwuchspolitiker Kevin Dorow gegeben, ebenfalls ein führendes Mitglied der neu gegründeten Jugendorganisation. Ein Sprecher der AfD Niedersachsen erklärte, mit der ausgesprochenen Rüge sei der Fall aus Sicht des Landesverbandes erledigt; man gehe davon aus, dass sich der Bundesverband dieser Einschätzung anschließen werde.

Der Skandal trifft Generation Deutschland in einer Phase, in der die Organisation ein moderateres Bild abgeben sollte als der inzwischen aufgelöste Vorgänger. Die Affäre um Gehrckens stellt diesen Anspruch nun infrage und lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf den Umgang der AfD mit umstrittenen Äußerungen aus den eigenen Reihen. Während die Partei nach außen betont, derartige Aussagen nicht zu akzeptieren, zeichnen die bislang bekannt gewordenen Schritte das Bild einer eher begrenzten Sanktionsbereitschaft. Wie stark der Fall die Glaubwürdigkeit der neu formierten Jugendorganisation langfristig belastet, bleibt vorerst offen.

Rohstoffsicherheit: Berlin setzt auf australische Seltene Erden

01.04.2026


Deutschland versucht, seine Versorgung mit strategisch wichtigen Rohstoffen zu stabilisieren und beteiligt sich dafür an einem Seltene-Erden-Projekt in Australien. Über den staatlichen Rohstofffonds fließen 50 Millionen Euro in das sogenannte Nolans-Projekt des Unternehmens Arafura Rare Earths, wie das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mitteilte. In der Mine nördlich von Alice Springs sollen die Metalle Neodym und Praseodym gewonnen werden.

Beide Elemente gelten als zentral für zentrale Industriezweige, insbesondere für die Energiewende und die Elektromobilität. Neodym und Praseodym werden für Hochleistungsmagnete benötigt, die in Elektromotoren von E-Autos und in Generatoren von Windkraftanlagen verbaut werden. Deutschland ist bei diesen Metallen bislang vollständig auf Importe angewiesen.

Mit der Beteiligung verfolgt die Bundesregierung das Ziel, den Zugang der deutschen Industrie zu strategischen Rohmaterialien langfristig abzusichern. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte, es gehe darum, den Zugriff deutscher Unternehmen auf diese wichtigen Rohstoffe zu gewährleisten. Der Rohstofffonds soll dazu beitragen, Lieferketten zu diversifizieren und Abhängigkeiten von einzelnen Bezugsquellen zu reduzieren.

Das Engagement in Australien reiht sich in einen breiteren politischen Ansatz ein, zentrale Vorprodukte für Schlüsseltechnologien abzusichern. Für die Bundesrepublik steht dabei nicht nur die Versorgung der heimischen Auto- und Energiebranche im Vordergrund, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts insgesamt. Mit der Investition in das Nolans-Projekt setzt Berlin auf eine Partnerschaft mit einem rohstoffreichen, politisch stabilen Lieferland.