Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“: Jeder Fünfte plant den Abschied

26.03.2026


Junge Menschen in Deutschland blicken mit wachsender Skepsis auf ihre Zukunft – und ein beträchtlicher Teil zieht Konsequenzen. Laut der Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ planen 21 Prozent der 14- bis 29-Jährigen konkret, das Land zu verlassen. Langfristig interessiert sich sogar 41 Prozent der Befragten für eine Auswanderung. Im Ausland erhoffen sie sich vor allem bessere Bedingungen bei Arbeit, Wohnen und finanzieller Sicherheit, wie Studienautor Kilian Hampel von der Universität Konstanz betont.

Die wirtschaftliche Lage schlägt sich direkt in den Perspektiven der jungen Generation nieder. Die seit mehr als zwei Jahren stagnierende Konjunktur drückt auf die Jobchancen von Berufseinsteigern. Im Dezember meldete die Bundesagentur für Arbeit einen Anstieg der Zahl arbeitsloser Akademiker um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Eine fundierte Ausbildung ist damit für viele nicht mehr gleichbedeutend mit einem sicheren Einstieg in den Arbeitsmarkt. Gleichzeitig erreicht der Anteil junger Menschen mit Schulden mit 23 Prozent einen neuen Höchststand – fast ein Viertel der jungen Erwachsenen startet ohne stabile finanzielle Basis ins Berufsleben.

Zu den wirtschaftlichen Sorgen kommen hohe psychische Belastungen. Die Studie zeigt, dass sich knapp die Hälfte der Jugendlichen über ein gesundes Maß hinaus gestresst fühlt. Besonders stark betroffen sind junge Frauen: 45 Prozent geben an, unter Erschöpfung zu leiden, bei jungen Männern sind es 28 Prozent. Auch Selbstzweifel treten bei Frauen deutlich häufiger auf als bei Männern. Studienleiter Hampel verweist auf die Vielzahl gleichzeitiger Krisen – von internationalen Konflikten bis zu Inflation und Wohnungsknappheit –, die die Zukunftsvorstellungen der jungen Menschen eintrüben und das Belastungserleben verstärken.

Die Daten zeichnen insgesamt das Bild einer Generation, die sich zwischen wirtschaftlicher Unsicherheit, angespanntem Wohnungsmarkt und dem voranschreitenden Einfluss künstlicher Intelligenz zunehmend orientierungslos fühlt. Viele junge Menschen bewerten ihre beruflichen Chancen schlechter als noch vor einigen Jahren. Hampel sieht darin einen klaren Handlungsauftrag an Politik und Gesellschaft: Die Studie unterstreiche, wie dringend verlässliche Perspektiven für Arbeit, Wohnen und finanzielle Sicherheit geschaffen werden müssten, um den wachsenden Wunsch nach einem Leben außerhalb Deutschlands nicht weiter anschwellen zu lassen.

Gegen den Trend zu höheren Steuern: Ost-Ministerpräsidenten pochen auf Entlastung und Reformen

27.03.2026


Mehrere Ministerpräsidenten haben sich klar gegen Überlegungen zu einer Erhöhung der Mehrwertsteuer gestellt und stattdessen rasches, gemeinsames Handeln von Politik, Wirtschaft und Sozialpartnern gefordert. Der Thüringer Regierungschef Mario Voigt (CDU) sagte dem Magazin „stern“, eine höhere Mehrwertsteuer sei „der falsche Kurs“, weil sie vor allem „die ganz normalen Menschen im Alltag zusätzlich belastet“. Steigende Kosten beim Tanken sowie höhere Strom- und Heizrechnungen ließen vielen Haushalten bereits heute weniger Geld im Portemonnaie, Entlastungen an anderer Stelle griffen da kaum.

Ähnlich äußerten sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und die Regierungschefin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), bei einer Veranstaltung der Madsack-Mediengruppe in Berlin. Eine höhere Mehrwertsteuer dürfe „auf keinen Fall“ kommen, betonte Schwesig. Kretschmer erklärte, der Vorstoß sei „das Gegenteil von dem, was wir gerade brauchen“ und passe „nicht in die Zeit“. Beide verknüpften ihre Kritik mit der Forderung nach klaren, schnell wirksamen Entscheidungen der Bundesregierung vor der Ost-Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

In dem Live-Talk „Ostdeutschland zum Mitreden“, organisiert von mehreren ostdeutschen Regionalzeitungen im RedaktionsNetzwerk Deutschland, legten Kretschmer und Schwesig ihre Vorstellungen für einen breiten Krisenmodus der Republik dar. Kretschmer warb für einen „Pakt für Deutschland“, in dem Politik, Unternehmen und Gewerkschaften an einem Strang ziehen sollen. Es brauche ein parteiübergreifendes Bündnis mit dem Motto: „Wir machen das jetzt hier gemeinsam.“ Nur so lasse sich die aktuelle Wirtschaftskrise bewältigen, sagte er. In „ein paar Jahren“ könne Deutschland dann wieder „sehr stark da stehen“.

Schwesig schloss sich dem Grundgedanken an und sprach sich für einen „Deutschlandplan oder Deutschlandpakt“ aus. In Krisenzeiten müsse man zusammenstehen und dürfe „keine Zeit verlieren“. Sie und Kretschmer drängen auf schnelle Maßnahmen gegen steigende Energiekosten und fordern, dass die Bundesregierung nicht bei Überlegungen stehenbleibt, sondern „mit Handeln überzeugt“. Zugleich pochen beide darauf, ostdeutsche Erfahrungen stärker in die gesamtdeutsche Debatte einzubeziehen. Themen und Probleme zeigten sich im Osten oft früher als im Westen, argumentierte Schwesig – wer diese Signale ernst nehme, könne nach ihrer Darstellung Zeit gewinnen, um auf Krisen zu reagieren.