Resilienz statt Maximalertrag: Forstpolitik vor einem Paradigmenwechsel

23.03.2026


Der Klimawandel zwingt die Forstwirtschaft in Europa zu einem tiefgreifenden Umbau. Längere Trockenphasen, steigende Temperaturen und eine wachsende Belastung durch Schädlinge setzen den Wäldern so stark zu, dass Fachleute von einem grundsätzlichen Wandel des Ökosystems ausgehen. Zum Internationalen Tag des Waldes skizzieren Forscher und Behörden, wie der Wald in einigen Jahrzehnten aussehen könnte – und wie weitreichend die Eingriffe sein müssen, um ihn stabil zu halten.

Die Richtung ist vorgezeichnet: Der Wald der Zukunft dürfte vielfältiger, lichter und deutlich anspruchsvoller in der Pflege sein. Forstverwaltungen und staatliche Betriebe setzen zunehmend auf artenreiche Mischwälder mit mehreren stabilen Baumarten. Im Zentrum steht ein klarer Favorit: die Eiche. Sie gilt als eine der wichtigsten heimischen Arten, die besser mit Trockenheit und Wärme zurechtkommt als etwa die Fichte. Nach Angaben von Silvio Schüler, Leiter des Instituts für Waldwachstum, Waldbau und Genetik am österreichischen Bundesforschungszentrum für Wald, werden Eichen in den Baumschulen derzeit „förmlich aus den Händen gerissen“. Ergänzt werden sie von selteneren heimischen Baumarten wie Elsbeere, Speierling, Feldahorn oder Vogelkirsche.

Der Anpassungsdruck ist hoch: Studien zeigen, dass rund ein Drittel aller europäischen Baumarten im Klimawandel gefährdet ist. Besonders wirtschaftlich bedeutsame Arten wie Fichte, Waldkiefer oder Buche weisen bereits messbare Schäden auf. Selbst die Buche, lange als Hoffnungsträgerin gehandelt, könnte an extremen Standorten deutlich an Wuchskraft verlieren und nur noch rund halb so hoch werden wie bisher, mit regelmäßig ausfallenden Kronenteilen. Parallel dazu verstärken höhere Temperaturen den Schädlingsdruck. Der Borkenkäfer Buchdrucker etwa, der bevorzugt Fichten befällt, kann sich in milden Bedingungen schneller vermehren und großflächige Schäden verursachen.

Hinzu kommt ein Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und Klimaanpassung. Ein lichterer, resilienterer Wald mit deutlich weniger Bäumen pro Hektar ist besser auf Extremwetter vorbereitet, speichert aber weniger Kohlenstoff. Nach Berechnungen der Fachleute bedeutet ein Rückgang von 400 auf 150 Bäume je Hektar zwangsläufig geringeres Holzvolumen und damit eine reduzierte CO₂-Bindung. Bereits heute hat sich die Bilanz spürbar verschlechtert: Die jüngste Bundeswaldinventur zeigt, dass der Wald in Deutschland aufgrund der massiven Schäden mehr Kohlenstoff abgibt, als er aufnimmt – und damit die Erreichung der Klimaziele zusätzlich erschwert. Forstwirtschaft, Politik und Gesellschaft stehen damit vor der Aufgabe, den Wald durch aktive Eingriffe zugleich widerstandsfähiger und klimapolitisch wirksam zu halten.

Pilotprojekt auf der Nordsee: Elektrokatamaran überzeugt Passagiere und Reederei

23.03.2026


Der erste seetüchtige Elektrokatamaran unter deutscher Flagge nimmt nach einer mehrmonatigen Winterpause wieder den Linienbetrieb zwischen Norddeich im Landkreis Aurich und der ostfriesischen Insel Norderney auf. Wie die Reederei Norden-Frisia mitteilte, sind im Frühjahr zunächst drei bis vier Abfahrten pro Tag vorgesehen. Zum Beginn der Sommersaison am 4. Juli soll der Fahrplan auf fünf tägliche Verbindungen ausgeweitet werden. Der Katamaran mit dem Namen „Frisia E-I“ war im April 2025 in Dienst gestellt worden und hat damit ein erstes komplettes Betriebsjahr absolviert.

Die Zwischenbilanz der Reederei für das Premierenjahr fällt deutlich positiv aus. Das Probejahr sei „sehr gut gelaufen“, heißt es von Michael Garrelts, technischem Inspektor bei Norden-Frisia. Man sei mit Auslastung, Performance und Zuverlässigkeit des rein elektrisch betriebenen Schiffs zufrieden. Der „Frisia E-I“ gilt in Deutschland als einzigartig: Es handelt sich um das erste rein elektrisch angetriebene Seeschiff, das regulär im Inselverkehr eingesetzt wird.

Nach Angaben der Reederei wird das Angebot von den Fahrgästen vor allem aus zwei Gründen angenommen: Zum einen schätzen viele den umweltfreundlicheren Antrieb. Anstatt mit Schiffsdiesel wird der E-Katamaran mit Solarstrom betrieben, der die Elektromotoren an Bord speist. Zum anderen halbiert sich die Fahrzeit zwischen Festland und Insel im Vergleich zu den größeren konventionellen Passagierfähren auf rund 30 Minuten. Für den Zeitgewinn und das neue Schiff fällt allerdings ein Zuschlag von fünf Euro pro Ticket an.

Technisch verlief die erste Saison überwiegend störungsfrei, kleinere Zwischenfälle blieben nach Unternehmensangaben die Ausnahme. So kam es einmal zu einem Ladeproblem durch eine ausgelöste Sicherung, ein anderes Mal zu einem mechanischen Defekt am Getriebe. Alle aufgetretenen Störungen konnten laut Reederei behoben werden. Über die Wintermonate lag der Katamaran turnusgemäß in der Werft zur Wartung, bevor er nun in die erste reguläre Saison nach dem Probejahr startet. Für Norden-Frisia ist das Projekt zugleich ein Baustein in der Strategie, CO₂-Emissionen in der Schifffahrt zu senken und neue Antriebstechnologien im Alltagsbetrieb zu erproben.