
Die Aktien von Redcare Pharmacy und DocMorris haben innerhalb weniger Tage eine deutliche Erholung hingelegt. Nach einer längeren Talfahrt, in deren Verlauf Redcare auf ein Tief gefallen war, das seit 2019 nicht mehr erreicht wurde, legte die Online-Apotheke am Wochenanfang zunächst fast acht Prozent zu und setzte den Aufwärtstrend am Dienstag im frühen Xetra-Handel mit einem Plus von weiteren 4,6 Prozent fort. Insgesamt summiert sich der Anstieg bei Redcare in kurzer Zeit auf mehr als 20 Prozent. Die Papiere von DocMorris, dem Schweizer Wettbewerber, verteuerten sich zeitgleich um bis zu 10,5 Prozent beziehungsweise knapp sieben Prozent an der Zürcher Börse.
Getrieben wird die Rally an den Börsen gleich von zwei Faktoren. Zum einen kommt es zum Quartalsende zu verstärkten Eindeckungen von Leerverkäufen. Investoren, die zuvor auf fallende Kurse gesetzt und sich dafür Aktien geliehen hatten, sehen sich angesichts der Kursanstiege gezwungen, diese Positionen zu schließen. Das führt zu zusätzlichen Kauforders im Markt und verstärkt den Aufwärtsdruck bei stark geshorteten Titeln wie Redcare und DocMorris. Marktbeobachter werten die aktuelle Bewegung daher als typischen Short-Squeeze-Effekt, der die Kursdynamik zeitweise deutlich erhöhen kann.
Zum anderen sorgen Reformvorschläge für das deutsche Krankenkassensystem für neue Fantasie im Sektor. Eine Expertenkommission hat insgesamt 66 Vorschläge zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vorgelegt. Im Fokus der Investoren steht vor allem die angedachte Erhöhung der Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Medikamente für gesetzlich Versicherte. Analyst Felix Dennl vom Bankhaus Metzler sieht darin eine potenzielle Chance für Versandapotheken: Steigen die Eigenanteile der Patienten, dürfte der Anreiz wachsen, Preise zu vergleichen und von stationären Apotheken auf meist günstigere Online-Angebote zu wechseln.
Versandapotheken wie Redcare und DocMorris könnten von einer beschleunigten Verlagerung des Rezeptvolumens in den digitalen Kanal profitieren. Marktteilnehmer interpretieren die Kursreaktionen bereits als Signal, dass die Branche als Gewinner der Reformdiskussion gehandelt wird. Entscheidend bleibt jedoch, ob und wann die Empfehlungen der Kommission tatsächlich in Bundesrecht überführt werden. Bis dahin beruhen die Hoffnungen der Anleger auf regulatorischen Szenarien, die zwar wachstumsfördernd wirken könnten, derzeit aber noch nicht verbindlich beschlossen sind.
Die Wirtschaftsleistung im Südwesten Deutschlands ist 2025 hinter der gesamtdeutschen Entwicklung zurückgeblieben. Während das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Bundesdurchschnitt um 0,2 Prozent zulegte, verzeichneten sowohl das Saarland als auch Rheinland-Pfalz ein Minus. Besonders stark traf es das Saarland, das mit einem Rückgang des BIP um knapp 0,9 Prozent das schwächste Ergebnis aller Bundesländer ausweist. In Rheinland-Pfalz sank die Wirtschaftsleistung nach vorläufigen Berechnungen um 0,5 Prozent.
Als Hauptgrund für die negative Entwicklung in beiden Ländern nennen die Statistischen Landesämter die Schwäche in der Industrie. Im Saarland brach die reale Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe um 6,5 Prozent ein, im gesamten Produzierenden Gewerbe lag das Minus bei 4,8 Prozent. Die Dienstleistungsbranche konnte sich dort hingegen leicht positiv entwickeln und milderte den Einbruch etwas ab, ohne ihn auszugleichen.
Auch in Rheinland-Pfalz belastete die Industrie das Ergebnis deutlich. Sie steht dort für rund ein Fünftel der gesamten Wirtschaftsleistung. Im Verarbeitenden Gewerbe ging die preisbereinigte Bruttowertschöpfung um 1,4 Prozent zurück. Sieben der zehn umsatzstärksten Branchen verzeichneten Umsatzeinbußen, darunter insbesondere die energieintensive Chemische Industrie, die traditionell eine zentrale Rolle im Land spielt.
Einzelne Sektoren konnten sich dem Abwärtstrend jedoch entziehen. In Rheinland-Pfalz legten die Pharmaindustrie sowie der Auto- und Maschinenbau beim Umsatz zu und setzten damit Akzente in einem insgesamt schwachen Umfeld. Im Saarland sorgten die Dienstleistungen für einen leichten Zuwachs. Im Gesamtbild bleibt der Südwesten aber klar hinter der bundesweiten Konjunktur zurück, die trotz vieler Risiken noch ein moderates Wachstum ausweist.