
Die Aktien des österreichischen Technologiekonzerns Kontron sind am Donnerstag deutlich unter Druck geraten, nachdem der SDax-Wert mit seinen Zahlen und dem Ausblick die Erwartungen der Analysten verfehlt hat. Auf der Handelsplattform Tradegate notierte das Papier am Vormittag mit einem Minus von 13,87 Prozent bei 18,14 Euro. Auslöser der Verkaufswelle ist vor allem die konservative Gewinnprognose für 2026, die deutlich unter den bisherigen Markterwartungen liegt.
Operativ zeigte Kontron für 2025 ein gemischtes Bild. Der Umsatz sank unter anderem wegen des weitgehenden Verkaufs eines Segments und der Fokussierung auf margenstärkere Geschäfte um fast fünf Prozent auf etwas mehr als 1,6 Milliarden Euro. Gleichzeitig verbesserte sich der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 15 Prozent auf 220,5 Millionen Euro. Analysten hatten jedoch sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis mit stärkeren Werten gerechnet.
Beim Blick nach vorn sorgte vor allem die Zielsetzung für 2026 für Ernüchterung. Kontron stellt für dieses Jahr ein bereinigtes Ebitda von 225 Millionen Euro sowie einen Umsatz von 1,75 bis 1,8 Milliarden Euro in Aussicht. Die von Bloomberg befragten Experten waren im Schnitt von höheren Kennziffern ausgegangen. Das Bild gleiche dem der vergangenen neun Monate, kommentierte Jefferies-Analyst Martin Comtesse: Die Umsatzprognosen würden verfehlt, während sich die Profitabilität klar verbessere. Positiv wertete er, dass sich das operative Ergebnis bis 2030 nahezu verdoppeln soll.
Auch Veysel Taze vom Bankhaus Metzler sprach von einem durchwachsenen Zahlenwerk mit schwachen Erlösen und starken Ergebniszahlen. Der vorläufige Ausblick auf 2026 bleibe besonders beim Ebitda hinter den Erwartungen zurück. Angesichts des bereits seit Jahresbeginn anhaltenden Kursdrucks stuft er die aktuelle Bewertung dennoch als attraktiv ein. Unterstützung für den gebeutelten Kurs könnte das angekündigte Aktienrückkaufprogramm liefern. Rückenwind erhält Kontron zudem von einem deutlich gestiegenen Auftragsbestand, der Investoren Hinweise auf zukünftiges Wachstum geben dürfte – auch wenn der Markt diese Perspektive kurzfristig klar ausblendet.

Der Technologiekonzern Jenoptik blickt nach einem rückläufigen Geschäftsjahr wieder optimistischer nach vorn und stellt seinen Aktionären neben einer höheren Dividende eine Rückkehr auf den Wachstumspfad in Aussicht. Das erst vor kurzem in den MDax aufgestiegene Unternehmen aus Jena erwartet ab dem laufenden Jahr eine spürbare Belebung der Nachfrage, insbesondere im Bereich Halbleiterausrüstung. Trotz weiterhin schwer einzuschätzender makroökonomischer und politischer Rahmenbedingungen rechnet der Vorstand zudem mit Zuwächsen in den Kernmärkten Medizintechnik sowie Mess- und Verkehrstechnik.
2025 war das operative Ergebnis (Ebitda) von Jenoptik um gut 13 Prozent auf 192,5 Millionen Euro gesunken, der Umsatz schrumpfte um gut sechs Prozent auf 1,05 Milliarden Euro. Der Auftragseingang verringerte sich um mehr als drei Prozent auf knapp 993 Millionen Euro. Hauptgrund waren eine schwächere Nachfrage aus der Chip- und der Automobilindustrie. Für 2026 peilt der Konzern nun wieder ein Umsatzwachstum im einstelligen Prozentbereich an; von den Erlösen sollen 19 bis 21 Prozent als operatives Ergebnis (Ebitda) übrig bleiben, nach einer Marge von 18,4 Prozent im vergangenen Jahr.
Am Kapitalmarkt stoßen die neuen Zielmarken auf verhaltene Zustimmung. Nach Einschätzung von Analyst Henrik Paganetty vom Analysehaus Jefferies decken sich die Aussagen des Managements weitgehend mit den aktuellen Markterwartungen. Dem in Aussicht gestellten Ebitda-Margen-Korridor von 19 bis 21 Prozent steht eine Konsensschätzung von 20 Prozent gegenüber, beim Umsatz rechnen Analysten im Schnitt mit einem Plus von rund acht Prozent. Die angekündigte höhere Dividende soll zusätzlich Vertrauen bei den Anteilseignern schaffen.
Parallel zur strategischen Neuausrichtung stellt Jenoptik auch personell die Weichen neu. Nach dem überraschenden Abgang von Vorstandschef Stefan Traeger Mitte Februar ohne nähere Begründung soll spätestens im Oktober der Physiker Dominic Dorfner den Vorsitz des Vorstands übernehmen. Der Mittvierziger leitet derzeit noch den Leistungselektronikspezialisten Semikron Danfoss mit über 4.000 Beschäftigten und ist vom Aufsichtsrat für zunächst drei Jahre bestellt. Nach dem Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats ist der Chefposten damit die zweite zentrale Führungsposition, die neu besetzt wird. Jenoptik, mit weltweit knapp 4.500 Mitarbeitern eines der wenigen börsennotierten Technologieunternehmen in Ostdeutschland, verbindet die personelle Neuaufstellung mit dem Anspruch, die avisierte Trendwende im operativen Geschäft umzusetzen.