
Das See-Spital in Horgen reorganisiert seine Finanzierung mit einem Sale-and-Lease-Back-Geschäft: Die Liegenschaft am Standort Horgen – Gebäude und Grundstück – wird an die auf Spitalimmobilien spezialisierte Infracore SA veräussert und im Rahmen eines langfristigen Mietvertrags zurückgemietet. Die von der an der SIX kotierten Beteiligungsgesellschaft Aevis Victoria kontrollierte Infracore wird damit neue Eigentümerin der Infrastruktur, während das See-Spital die bestehenden Flächen unverändert weiter nutzt.
Im Zentrum der Transaktion steht die Refinanzierung einer ausstehenden Anleihe des See-Spitals über 100 Millionen Franken, die am 3. Juli 2026 zur Rückzahlung fällig wird. Die Obligation war vor acht Jahren zur Finanzierung eines Neubaus aufgenommen worden. Durch den Verkauf der Liegenschaft und den anschliessenden Rückmietvertrag schafft das Spital nach eigenen Angaben eine solide Basis für die Ablösung der fälligen Schuld und stärkt seine finanzielle Basis.
Mit Infracore holt sich das See-Spital eine Partnerin mit ausgewiesener Erfahrung im Schweizer Spitalimmobilienmarkt an Bord. Das Portfolio des Immobilienunternehmens umfasst rund 47 Liegenschaften an 19 Standorten, darunter die Privatklinik Bethanien in Zürich und das Spital Zofingen. Der langfristige Mietvertrag soll den Spitalbetrieb in Horgen nachhaltig absichern; die medizinischen Leistungen können auf der bestehenden Infrastruktur aufbauen, während immobilienbezogene Aufgaben bei Infracore gebündelt werden.
Strategisch eröffnet die Transaktion dem See-Spital zusätzlichen Spielraum: Durch die Freisetzung von gebundenem Kapital sollen Mittel für den Ausbau des medizinischen Angebots, Investitionen in medizintechnische Ausstattung und die weitere Digitalisierung bereitgestellt werden. Im Unterschied zu anderen Häusern im Kanton Zürich, die mit deutlich schwierigeren Refinanzierungsbedingungen konfrontiert sind, setzt das See-Spital damit frühzeitig auf eine strukturelle Lösung über den Immobilienmarkt, um seine langfristige Ausrichtung als Gesundheitscampus zu festigen.

Die Europäische Zentralbank stellt ihre Aufsicht über interne Risikomodelle der größten Banken der Eurozone grundlegend um und verschlankt damit ein Verfahren, das seit der Finanzkrise als besonders rigide galt. Ab dem 1. Oktober dürfen Institute wesentliche Änderungen an ihren internen Modellen bereits kurz nach Einreichen des Antrags umsetzen, anstatt wie bisher auf eine vorherige formale Genehmigung aus Frankfurt zu warten. Die EZB begründet den Schritt mit langen Verzögerungen und aufwendigen Vor-Ort-Prüfungen, die Banken bislang dazu zwangen, alte und neue Modelle über längere Zeit parallel zu betreiben.
Kern der Reform ist eine stärkere Fokussierung der Aufsicht auf tatsächlich risikoreiche Konstellationen. Vor-Ort-Untersuchungen interner Modelle sollen nach Angaben der Notenbank künftig vor allem dort stattfinden, „wo höhere Risiken eine genauere Prüfung rechtfertigen“. Wesentliche Modelländerungen lösen damit nicht mehr automatisch eine Inspektion in den Instituten aus. Im vergangenen Jahr hatte die EZB 74 Vor-Ort-Untersuchungen interner Modelle durchgeführt, ein Großteil davon ausgelöst durch Anträge der Banken.
Gleichzeitig zieht die Aufsicht eine klare Grenze bei möglichen Kapitalvorteilen. Führen neue Modelle zu niedrigeren Risikogewichten und damit zu geringerem Eigenkapitalbedarf, erhalten Banken zwar weiterhin eine schnelle Freigabe zur Nutzung. Die daraus resultierenden Erleichterungen bei den Kapitalanforderungen werden jedoch gedeckelt, bis eine abschließende Bewertung vor Ort erfolgt ist. Ergänzend dazu hat die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA Leitlinien vorgelegt, die die Zahl der als „wesentlich“ eingestuften und damit genehmigungspflichtigen Modelländerungen reduzieren.
Betroffen sind etwas mehr als 100 der größten Banken der Eurozone, die direkt von der EZB beaufsichtigt werden. Für sensible Fälle behält sich die Notenbank ausdrücklich vor, am bisherigen Standardverfahren festzuhalten. In solchen Konstellationen müssen Institute weiterhin das Ergebnis einer gesonderten Vor-Ort-Prüfung abwarten, bevor sie Änderungen an ihren internen Risikomodellen tatsächlich umsetzen dürfen. Die Neuausrichtung der Aufsicht verschiebt damit den Schwerpunkt von einer flächendeckenden Vorabkontrolle hin zu einer stärker risikobasierten Prüfung.