Illegale Autorennen und Drogen am Steuer: NRW-Innenminister warnt vor Trends im Verkehr

13.03.2026


Nordrhein-Westfalen verzeichnet im Jahr 2025 mehr Verkehrsunfälle und Verletzte, zugleich aber leicht weniger Verkehrstote. Nach Angaben von Innenminister Herbert Reul wurden im bevölkerungsreichsten Bundesland rund 656.000 Verkehrsunfälle registriert, nach 643.000 im Vorjahr. Insgesamt kamen 479 Menschen im Straßenverkehr ums Leben, nach 485 im Jahr zuvor. Die Zahl der Verletzten stieg auf etwa 81.200 Personen, davon rund 70.500 leicht und rund 10.000 schwer verletzt.

Reul erklärte bei der Vorstellung der Verkehrsunfallbilanz, der Straßenverkehr sei „dichter, vielfältiger und komplexer“ geworden. Autos, Fahrräder, Pedelecs, Lastenräder, E-Scooter, Motorräder und Fußgänger teilten sich denselben, engen Raum. „Wo mehr Verkehr auf gleich viel Raum trifft, entstehen neue Konflikte – und diese Konflikte schlagen sich in den Unfallzahlen nieder“, sagte der Innenminister. Die Polizei registrierte zudem mehr Drogen am Steuer und mehr illegale Autorennen; die Zahl der Todesopfer infolge solcher Rennen kletterte auf den höchsten Stand seit Einführung des entsprechenden Straftatbestands.

Besonders auffällig ist die Entwicklung im Bereich des Radverkehrs. Rund 34 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden entfielen 2025 auf Fahrräder oder Pedelecs, also mehr als jeder dritte Unfall. 106 Menschen starben dabei – die höchste Zahl im Zehnjahresvergleich. Laut Polizei ist ein hoher Anteil von Alleinunfällen zu beobachten. Kommt es zu Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmern, sind Radfahrende nach den vorliegenden Angaben in rund zwei Dritteln der Fälle nicht die Hauptverursacher.

Deutlich nach oben gegangen sind auch die Unfallzahlen mit E-Scootern. Rund 3.900 Menschen wurden 2025 bei E-Scooter-Unfällen in NRW getötet oder verletzt, ein Anstieg von rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei Kindern: 566 unter 14-Jährige verunglückten mit einem E-Scooter, was einem Zuwachs von 72 Prozent entspricht. Rund 30 Prozent aller E-Scooter-Unfälle waren Alleinunfälle. Parallel dazu meldet die Polizei mehr verunglückte Kinder und Jugendliche auf Pedelecs – ein weiterer Hinweis darauf, dass der Wandel im Mobilitätsverhalten die Unfallstatistik zunehmend prägt.

Von Moskau und Thailand aus gesteuert: Ermittler nehmen rechtsextremen Verlagsunternehmer ins Visier

14.03.2026


Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe geht mit einer großangelegten Razzia gegen ein mutmaßlich europaweit agierendes rechtsextremes Verlagsnetzwerk vor. Im Zentrum der Ermittlungen steht der Verlag „Der Schelm“, der seit Jahren antisemitische Schriften, Nachdrucke aus der Zeit des Nationalsozialismus sowie rassistische und den Holocaust leugnende Veröffentlichungen über einen Onlineversand vertreibt. Die Durchsuchungen begannen am Mittwochmorgen zeitgleich in mehreren Bundesländern sowie im Ausland und richten sich gegen insgesamt acht Beschuldigte.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werden sechs Männern und zwei Frauen deutscher Herkunft vorgeworfen, zwischen 2022 und 2024 in mindestens 488 Fällen gemeinschaftlich volksverhetzende Druckwerke hergestellt, verbreitet, geliefert und gelagert zu haben. Zu den Beschuldigten zählen unter anderem zwei Druckereibesitzer, ein Grafiker, ein IT-Spezialist und der Inhaber eines Business-Centers. Ein Druckereibesitzer soll Beihilfe geleistet haben. Hauptbeschuldigter ist der aus Leipzig stammende Verlagsinhaber Adrian P., der seit Jahren im Ausland lebt und laut früheren Angaben bereits einmal einer Auslieferung entgangen sein soll.

Bundesweit rückte das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit Unterstützung örtlicher Polizeikräfte aus. Durchsucht wurden Wohnungen und Geschäftsräume in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen, darunter nach rbb-Informationen Standorte in Leipzig, Pforzheim, Neuenbürg, Bottrop, Schönwald und Wertheim. Parallel dazu koordinierten die Karlsruher Ermittler Maßnahmen im Ausland: In Polen wurde eine Druckerei überprüft, in Spanien nahmen sich Beamte eine Lagerhalle sowie weitere Privat- und Firmenräume vor.

Die Einsatzkräfte stellten umfangreiche Beweismittel sicher, darunter gedruckte Schriften, Bestelllisten, Propagandamaterial, NS-Devotionalien sowie Computer und Datenträger. Der Verlag „Der Schelm“ bietet nach übereinstimmenden Recherchen seit mindestens einem Jahrzehnt rund 100 Nachdrucke antisemitischer Bücher und Schriften aus der NS-Zeit sowie weitere in Deutschland verbotene Titel an. Ermittler sehen in den aktuellen Maßnahmen einen weiteren Schritt, die Vertriebsstrukturen des Netzwerks zu zerschlagen und die Verantwortung der mutmaßlichen Betreiber strafrechtlich aufzuarbeiten.