
Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen für dieses Jahr nur noch mit einem verhaltenen Aufschwung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde 2024 um lediglich 0,6 Prozent zulegen, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Insider aus dem Kreis der Gutachter. Die neue Gemeinschaftsdiagnose entsteht im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums und wird von RWI Essen, DIW Berlin, Ifo-Institut in München, IWH Halle und dem Kiel-Institut erstellt. Offiziell vorgestellt werden soll der Bericht am Mittwoch, kleinere Anpassungen an den Zahlen sind bis dahin noch möglich.
Der Rückschlag fällt deutlich aus. Noch vor rund einem halben Jahr hatten dieselben Institute in ihrer vergangenen Gemeinschaftsprognose ein Wachstum von 1,3 Prozent für das laufende Jahr erwartet. Auch der Ausblick für das kommende Jahr wurde spürbar eingetrübt: Die früher veranschlagten 1,4 Prozent Zuwachs werden nun deutlich unterschritten. Über die gesamte Konjunkturphase hinweg droht die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung um etwa 50 Milliarden Euro hinter den bisherigen Erwartungen zurückzubleiben.
Als Hauptursache für die Abkühlung nennen die Institute laut den Berichten vor allem die Folgen des Iran-Kriegs und die stark gestiegenen Preise für Öl und Gas. Die höheren Energiekosten verteuern Produktion und Transport und drücken damit auf die industrielle Aktivität. Unter Druck geraten neben energieintensiven Branchen auch zahlreiche vor- und nachgelagerte Bereiche, etwa in der verarbeitenden Industrie und im Dienstleistungssektor.
Auch mittelfristig rechnen die Forscher nur mit moderatem Tempo: Für 2027 gehen die Institute von einem BIP-Plus von rund einem Prozent aus. Damit signalisiert die Gemeinschaftsdiagnose, dass die deutsche Volkswirtschaft vorerst auf einem flacheren Wachstumspfad bleibt, als es noch im Herbst angenommen wurde. Für die Wirtschaftspolitik in Berlin erhöht das den Druck, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um Investitionen anzuregen und die konjunkturellen Belastungen durch hohe Energiepreise und geopolitische Risiken abzufedern.

Deutschland versucht, seine Versorgung mit strategisch wichtigen Rohstoffen zu stabilisieren und beteiligt sich dafür an einem Seltene-Erden-Projekt in Australien. Über den staatlichen Rohstofffonds fließen 50 Millionen Euro in das sogenannte Nolans-Projekt des Unternehmens Arafura Rare Earths, wie das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mitteilte. In der Mine nördlich von Alice Springs sollen die Metalle Neodym und Praseodym gewonnen werden.
Beide Elemente gelten als zentral für zentrale Industriezweige, insbesondere für die Energiewende und die Elektromobilität. Neodym und Praseodym werden für Hochleistungsmagnete benötigt, die in Elektromotoren von E-Autos und in Generatoren von Windkraftanlagen verbaut werden. Deutschland ist bei diesen Metallen bislang vollständig auf Importe angewiesen.
Mit der Beteiligung verfolgt die Bundesregierung das Ziel, den Zugang der deutschen Industrie zu strategischen Rohmaterialien langfristig abzusichern. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte, es gehe darum, den Zugriff deutscher Unternehmen auf diese wichtigen Rohstoffe zu gewährleisten. Der Rohstofffonds soll dazu beitragen, Lieferketten zu diversifizieren und Abhängigkeiten von einzelnen Bezugsquellen zu reduzieren.
Das Engagement in Australien reiht sich in einen breiteren politischen Ansatz ein, zentrale Vorprodukte für Schlüsseltechnologien abzusichern. Für die Bundesrepublik steht dabei nicht nur die Versorgung der heimischen Auto- und Energiebranche im Vordergrund, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts insgesamt. Mit der Investition in das Nolans-Projekt setzt Berlin auf eine Partnerschaft mit einem rohstoffreichen, politisch stabilen Lieferland.