FDP-Parteitag im Mai wird zur Vertrauensfrage für Christian Dürr

26.03.2026


Die FDP reagiert auf ihre jüngsten Wahlniederlagen mit einem radikalen Schritt: Der Bundesvorstand um Parteichef Christian Dürr ist geschlossen zurückgetreten. Auslöser sind die verpassten Einzüge in die Landtage von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, wo die Liberalen jeweils an der Fünfprozenthürde scheiterten. Nach anhaltend schwachen Umfragewerten im Bund soll nun der Bundesparteitag im Mai Präsidium und Vorstand komplett neu wählen.

Für Dürr ist der Rücktritt ein erzwungener, aber kalkulierter Schritt. Ursprünglich wollte er den Parteitag nutzen, um über das Grundsatzprogramm zu diskutieren – nicht über sein eigenes Amt. Der Rückhalt in den Führungsgremien war nach nur zehn Monaten an der Parteispitze jedoch deutlich erodiert. Indem er sich den Vorschlag für eine Neuwahl des gesamten Führungsteams zu eigen machte, verhinderte er eine offene Abstimmungsniederlage und nahm seinen innerparteilichen Kritikern einen Teil der Initiative.

Gleichzeitig denkt der FDP-Chef nicht ans Aufgeben. Dürr kündigte an, beim Parteitag erneut für den Vorsitz zu kandidieren. Es brauche eine „neue Legitimation“, sagte er, die Neuwahl solle zu einer „klaren Kursbestimmung“ führen – ausdrücklich auch mit Blick auf seine Person. Beobachter innerhalb der Partei verweisen darauf, dass unter Dürr bislang kein klar erkennbar neuer Kurs der Liberalen entstand, nachdem er Christian Lindner an der Parteispitze beerbt hatte. Die Ankündigung einer erneuten Kandidatur zwingt nun potenzielle Gegenkandidaten, aus der Deckung zu kommen.

Für die FDP geht es dabei um mehr als nur Personalien. Die Partei steckt nach den Landtagspleiten und schwachen Bundesumfragen in einem Existenzkampf. Wer auch immer aus dem innerparteilichen Machtkampf als Sieger hervorgeht, muss die Liberalen nicht nur programmatisch neu ausrichten, sondern vor allem einen tief verunsicherten Laden zusammenführen. Der Parteitag im Mai wird damit zur doppelten Weichenstellung: Er entscheidet über die künftige Führung und darüber, ob es der FDP gelingt, sich aus der Defensive zu lösen.

Wankelmütige US-Iran-Politik bremst Risikofreude an den Börsen

27.03.2026


Die anhaltende Unsicherheit rund um den Iran-Krieg hat den deutschen Aktienmarkt am Dienstag in eine Wartestellung gezwungen. Nach einem zunächst freundlichen Start mit leichten Zugewinnen von 0,14 Prozent auf 22.684 Punkte drehte der Dax im Tagesverlauf ins Minus und schloss 0,07 Prozent tiefer bei 22.636,91 Zählern. Viele Investoren mieden angesichts der angespannten Lage im Nahen Osten neue Engagements und positionierten sich an der Seitenlinie. Bereits am Montag war der Leitindex zeitweise deutlich unter die Marke von 22.000 Punkten gefallen und hatte den niedrigsten Stand seit rund elf Monaten markiert.

Auslöser der Nervosität bleibt der Konflikt mit Iran. Eine zunächst für Erleichterung sorgende Kurznachricht von US-Präsident Donald Trump zu einem möglichen Abkommen hatte die Verluste zu Wochenbeginn nur vorübergehend begrenzt. Im weiteren Verlauf überwogen wieder widersprüchliche Signale aus Teheran und Washington, während es in der Golfregion in der Nacht zu weiteren Angriffen kam. Der Ölpreis blieb unterdessen erhöht: Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete weiter mehr als 100 US-Dollar und unterstreicht damit die Sorgen des Marktes vor möglichen Lieferstörungen und anhaltend höheren Energiekosten.

Die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der US-Iran-Politik prägt auch die Risikoabwägung professioneller Marktteilnehmer. Nachdem Trump ein Ultimatum für Angriffe auf iranische Energieanlagen verlängert hatte, griff Börsenbrief-Autor Hans Bernecker erneut den sogenannten „TACO-Trade“ auf – „Trump Always Chickens Out“. Der Begriff spiegelt die Erwartung wider, dass der US-Präsident bei scharfen Drohungen wiederholt zurückrudert. Bernecker sieht zugleich ein großes Fragezeichen hinter der Annahme eines raschen Kriegsendes im Iran, was die derzeit hohe Volatilität und die Zurückhaltung an den Aktienmärkten zusätzlich erklärt.

Auf der Ebene einzelner Werte stand der Dax vor allem wegen SAP unter Druck. Die Aktien des Softwarekonzerns fielen nach einer Abstufung durch die US-Bank JPMorgan um 4,1 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Januar 2024. Analyst Toby Ogg begründete den Schritt damit, dass sich das bisherige Bild einer beschleunigten Wachstumsdynamik und steigender Margen bei SAP eingetrübt habe. Auch Bayer-Titel gaben nach und verloren 1,9 Prozent. Im Umfeld der deutschen Standardwerte trug damit vor allem die Schwäche bei den Schwergewichten dazu bei, dass der Leitindex seine zwischenzeitlichen Gewinne nicht halten konnte.

Im europäischen Vergleich zeigte sich der deutsche Markt damit eher verhalten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte um 0,1 Prozent zu, während der britische FTSE 100 um 0,7 Prozent und der Schweizer SMI um 1,0 Prozent anstiegen. In den USA notierte der Dow Jones Industrial zuletzt 0,1 Prozent höher. Der MDax der mittelgroßen Werte verlor dagegen 0,37 Prozent auf 28.125,11 Punkte. Insgesamt dominierte in Frankfurt die Vorsicht: Geopolitische Risiken, ein dauerhaft hoher Ölpreis und unternehmensspezifische Belastungsfaktoren ließen viele Anleger abwarten, ob die jüngste Zwischenerholung nur ein Strohfeuer bleibt oder den Auftakt zu einer stabileren Marktphase markiert.