Die FDP steuert nach einer Serie herber Wahlniederlagen auf einen offenen Machtkampf an der Parteispitze zu. Der nordrhein-westfälische Landes- und Fraktionsvorsitzende Henning Höne bewirbt sich um den Bundesvorsitz und fordert damit Amtsinhaber Christian Dürr heraus. Auf dem Bundesparteitag Ende Mai dürfte es zu einer Kampfkandidatur kommen. Höne verknüpft seine Bewerbung mit dem Versprechen eines „Neuanfangs“ und fordert einen personellen wie strategischen Neustart der Liberalen.
Hintergrund ist der angekündigte kollektive Rücktritt des bisherigen Bundesvorstands nach den desaströsen Ergebnissen bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, wo die FDP zuletzt nur 2,1 Prozent der Stimmen holte. Höne, der bereits seit dem Parteitag nach der verlorenen Bundestagswahl 2025 dem Bundesvorstand angehört, kritisiert, man habe eine „strategische Neuaufstellung“ zu lange hinausgezögert. Gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ machte er deutlich, dass dieser Neustart aus seiner Sicht ohne Dürr an der Spitze erfolgen müsse: Auf die Frage, ob der bisherige Parteichef noch einem künftigen Bundesvorstand angehören solle, antwortete er mit einem klaren Nein.
Dürr wiederum signalisiert, dass er seinen Kurs fortsetzen will und erneut für den Vorsitz kandidiert. Im Gespräch mit dem „Spiegel“ beschrieb er sein Angebot als eine FDP „als optimistische Reformkraft mit klar marktwirtschaftlichem Kurs“. Erfolgreich sei die Partei immer dann gewesen, wenn sie „die relevanten Fragen der Zeit mit klassisch liberalen Antworten“ in den Mittelpunkt gestellt habe. Heute seien dies vor allem die wirtschaftlichen Sorgen von Millionen Menschen. Der bisherige Bundesvorstand mit Dürr an der Spitze hatte Anfang der Woche beschlossen, geschlossen zurückzutreten und sich zum Teil auf dem Parteitag erneut zur Wahl zu stellen.
Aus dem Rennen ist dagegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Die Europa-Abgeordnete hatte ihren Hut nur für den Fall einer Doppelspitze in den Ring geworfen, die eine Satzungsänderung mit Zweidrittelmehrheit erfordern würde. Eine solche Mehrheit sei derzeit nicht absehbar, sagte sie dem „Spiegel“ und zog ihre Ambitionen zurück. Stattdessen stellt sie sich hinter Höne: Seine Kandidatur habe ihre „volle Unterstützung“, erklärte die 68-Jährige. Höne lehnt wie Dürr ein Führungsduo ab und betont, sein Angebot sei eines, „das ich allein mache“. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen, der bereits mit Forderungen nach einer „Neuaufstellung“ aufgetreten ist, unterstreicht damit seinen Anspruch auf mehr Einfluss in der geschwächten Bundespartei.

Der Technologiekonzern Jenoptik blickt nach einem rückläufigen Geschäftsjahr wieder optimistischer nach vorn und stellt seinen Aktionären neben einer höheren Dividende eine Rückkehr auf den Wachstumspfad in Aussicht. Das erst vor kurzem in den MDax aufgestiegene Unternehmen aus Jena erwartet ab dem laufenden Jahr eine spürbare Belebung der Nachfrage, insbesondere im Bereich Halbleiterausrüstung. Trotz weiterhin schwer einzuschätzender makroökonomischer und politischer Rahmenbedingungen rechnet der Vorstand zudem mit Zuwächsen in den Kernmärkten Medizintechnik sowie Mess- und Verkehrstechnik.
2025 war das operative Ergebnis (Ebitda) von Jenoptik um gut 13 Prozent auf 192,5 Millionen Euro gesunken, der Umsatz schrumpfte um gut sechs Prozent auf 1,05 Milliarden Euro. Der Auftragseingang verringerte sich um mehr als drei Prozent auf knapp 993 Millionen Euro. Hauptgrund waren eine schwächere Nachfrage aus der Chip- und der Automobilindustrie. Für 2026 peilt der Konzern nun wieder ein Umsatzwachstum im einstelligen Prozentbereich an; von den Erlösen sollen 19 bis 21 Prozent als operatives Ergebnis (Ebitda) übrig bleiben, nach einer Marge von 18,4 Prozent im vergangenen Jahr.
Am Kapitalmarkt stoßen die neuen Zielmarken auf verhaltene Zustimmung. Nach Einschätzung von Analyst Henrik Paganetty vom Analysehaus Jefferies decken sich die Aussagen des Managements weitgehend mit den aktuellen Markterwartungen. Dem in Aussicht gestellten Ebitda-Margen-Korridor von 19 bis 21 Prozent steht eine Konsensschätzung von 20 Prozent gegenüber, beim Umsatz rechnen Analysten im Schnitt mit einem Plus von rund acht Prozent. Die angekündigte höhere Dividende soll zusätzlich Vertrauen bei den Anteilseignern schaffen.
Parallel zur strategischen Neuausrichtung stellt Jenoptik auch personell die Weichen neu. Nach dem überraschenden Abgang von Vorstandschef Stefan Traeger Mitte Februar ohne nähere Begründung soll spätestens im Oktober der Physiker Dominic Dorfner den Vorsitz des Vorstands übernehmen. Der Mittvierziger leitet derzeit noch den Leistungselektronikspezialisten Semikron Danfoss mit über 4.000 Beschäftigten und ist vom Aufsichtsrat für zunächst drei Jahre bestellt. Nach dem Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats ist der Chefposten damit die zweite zentrale Führungsposition, die neu besetzt wird. Jenoptik, mit weltweit knapp 4.500 Mitarbeitern eines der wenigen börsennotierten Technologieunternehmen in Ostdeutschland, verbindet die personelle Neuaufstellung mit dem Anspruch, die avisierte Trendwende im operativen Geschäft umzusetzen.