Bayerischer Ostkorridor: Deutsche Bahn erneuert 120 Kilometer Gleise

26.03.2026


Die Deutsche Bahn verschärft ihren Sanierungskurs im bayerischen Netz und nimmt einen zentralen Ostkorridor außer Betrieb. Ab dem 14. Juni wird der Streckenabschnitt zwischen Obertraubling im Landkreis Regensburg und Passau umfangreich modernisiert. Die Arbeiten dauern bis zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember und sind mit einer weitgehenden Vollsperrung verbunden. Ziel der Investitionen ist es, die Pünktlichkeit im Regional- und Fernverkehr langfristig zu verbessern.

Die Maßnahme ist Teil einer gestaffelten Generalsanierung in Südostbayern und schließt direkt an die seit Anfang Februar laufenden Arbeiten auf der vielbefahrenen Verbindung Nürnberg–Regensburg an. Diese erste Etappe soll nach aktueller Planung am 10. Juli abgeschlossen sein, womit sich beide Großprojekte mehrere Wochen überschneiden. Für Reisende bedeutet das parallel eingeschränkte Kapazitäten auf zwei wichtigen Achsen.

Auf der rund 120 Kilometer langen Trasse zwischen Obertraubling und Passau steht ein umfassendes Infrastrukturpaket an. Die Bahn erneuert oder setzt 120 Kilometer Gleise, 140 Weichen und 90 Kilometer Oberleitungen instand, zudem werden mehrere Stellwerke modernisiert. Ergänzend entstehen eine neue Eisenbahnüberführung und fünf Personenunterführungen. Ein technisch aufwendiger Schwerpunkt liegt bei Osterhofen nahe der Donau, wo ein mooriger Untergrund mit besonderen Maßnahmen verfestigt werden muss, um die Strecke dauerhaft zu stabilisieren.

Parallel zur Fahrwegerneuerung investiert die Bahn in die Stationen entlang der Route. Acht Bahnhöfe werden modernisiert und barrierefrei ausgebaut, etwa durch neue Zugänge und angepasste Infrastruktur. Diese Ausbauten laufen über den aktuellen Sperrzeitraum hinaus und sollen bis zum Frühjahr 2027 vollständig abgeschlossen sein. Während der Vollsperrung soll ein Ersatzkonzept mit purpurfarben gekennzeichneten Bussen die wichtigsten Verbindungen im Nahverkehr sichern, darunter Expresslinien über die Autobahn und langsamere Routen über Land.

SPD-Spitze unter Druck: Jugendverband verlangt Neuaufstellung und klare Strategie

27.03.2026


Nach dem desaströsen Abschneiden der SPD bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz wächst der innerparteiliche Druck auf die Parteispitze deutlich. Juso-Bundeschef Philipp Türmer fordert offen eine Neuaufstellung der Führung und stellt damit die künftige Rolle der Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas zur Disposition. „Klar ist: So wie jetzt kann es nicht weitergehen. Mit diesem Kurs marschieren wir in den Abgrund“, sagte Türmer dem „Spiegel“. Die bisherigen Antworten der Parteiführung auf die jüngsten Wahlergebnisse und auf die schwachen Umfragewerte reichen aus Sicht der SPD-Jugendorganisation nicht aus.

Zentraler Kritikpunkt der Jusos ist die Doppelfunktion der SPD-Vorsitzenden, die zugleich Ministerämter ausüben. Bas ist Arbeitsministerin, Klingbeil Finanzminister. „Die Rollenteilung an der Parteispitze klappt aktuell nicht“, so Türmer. „Die Doppelrolle der Parteivorsitzenden, die zugleich Minister sind, funktioniert überhaupt nicht.“ Die parteiinterne Erwartung an die Spitze sei klar: Klingbeil und Bas müssten darlegen, „was sie anders machen wollen, oder ob sie ihre Positionen zur Verfügung stellen“. Aus Bayern kam Rückendeckung für diese Linie: Der dortige Juso-Landesvorsitzende Benedict Lang bezeichnete die Ämterhäufung als „eindeutig gescheitert“ und forderte, sie müsse „zeitnah aufgelöst werden“.

Neben der Personal- und Strukturfrage nimmt Türmer auch die inhaltliche Ausrichtung und die Arbeitsweise der SPD ins Visier. In den anstehenden Reformverhandlungen mit der Union dürfe sich die Partei nicht treiben lassen, warnte der Juso-Chef. Reformen seien „kein Selbstzweck“, sondern müssten „die richtigen Leute erreichen“. Eine einfache Übernahme von Forderungen der CDU lehnt er ab. Damit signalisiert der Nachwuchsverband, dass er einen eigenständigen sozialdemokratischen Kurs einfordert, der sich deutlicher von der politischen Konkurrenz abgrenzt.

Schließlich kritisieren die Jusos auch den Zustand der innerparteilichen Gremienarbeit scharf. Türmer spricht von „sinnloser Beschäftigungstherapie“ und bemängelt, dass die Diskussionen häufig um die Partei selbst kreisten, ohne klare Ergebnisse zu liefern. „Am Ende gibt es keine Linie, keine Strategie“, lautet sein Befund. Während die Jusos, deren Mitglieder bis 35 Jahre etwa 12 Prozent der Gesamtpartei stellen, auf Konsequenzen drängen, hatten Klingbeil und Bas angekündigt, trotz der Niederlage in Rheinland-Pfalz im Amt bleiben zu wollen. Wie weitreichend die nun angestoßene Debatte über Kurs und Struktur der SPD-Führung geht, dürfte maßgeblich bestimmen, wie die Partei aus der aktuellen Krise herausfindet.