
Die Netfonds AG, ein führender Servicedienstleister der deutschen Finanz- und Versicherungswirtschaft, wird vom Private-Equity-Investor Warburg Pincus übernommen. Gleichzeitig geht das Hamburger Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit dem Lübecker Maklerpool Blau Direkt ein, der sich bereits im Portfolio von Warburg Pincus befindet. Unter dem Dach des Wachstumsinvestors entsteht damit eine neue Gruppe mit einem kombinierten Umsatz von über 550 Millionen Euro und rund 600 Mitarbeitenden.
Warburg Pincus wird den Aktionären der Netfonds AG ein öffentliches Barangebot zum Erwerb sämtlicher nicht bereits gehaltener Aktien zu einem Preis von 78,25 Euro je Aktie unterbreiten. Dies entspricht einer Prämie von 64,4 Prozent auf den Schlusskurs vom 6. März 2026 und einer Prämie von 78,3 Prozent auf den volumengewichteten Dreimonatsdurchschnittskurs. Das Angebot unterliegt nicht den Vorschriften des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes (WpÜG), da die Netfonds-Aktie nicht an einem organisierten Markt notiert ist. Der Vorstand und Aufsichtsrat der Netfonds AG befürworten das Angebot uneingeschränkt und sehen darin eine attraktive Möglichkeit für Aktionäre, den Wert ihrer Beteiligung vor einem geplanten Delisting zu realisieren.
Zum Stichtag, dem 9. März 2026, hat sich Warburg Pincus bereits eine unwiderrufliche Beteiligung von circa 53 Prozent an Netfonds gesichert. Die Angebotsunterlage mit den verbindlichen Konditionen wird am selben Tag veröffentlicht und markiert den Beginn einer sechswöchigen Annahmefrist, die mit Ablauf des 20. April 2026 endet. Der Vollzug des Angebots hängt von marktüblichen Bedingungen wie regulatorischen Freigaben ab und unterliegt keiner Mindestannahmeschwelle.
Die strategische Partnerschaft zwischen Netfonds und Blau Direkt zielt darauf ab, Wachstumspotenziale im Bereich Software und Infrastrukturlösungen für Finanz- und Versicherungsdienstleister zu erschließen. Beide Unternehmen sollen als eigenständige Einheiten unter der gemeinsamen Eigentümerstruktur erhalten bleiben. Netfonds bringt dabei seine Expertise im Investmentbereich, in der Regulatorik und mit seiner Technologieplattform Finfire ein, während Blau Direkt seine Automatisierungserfahrung im Versicherungssektor beisteuert. Die räumliche Nähe zwischen Hamburg und Lübeck sowie eine bereits bestehende Vertrauensbasis, unter anderem durch die gemeinsame Initiative zum Vergleichsrechner "comparit", bilden das Fundament für die Zusammenarbeit.

Der Waferhersteller Siltronic stoppt nach einem Verlustjahr die Dividendenzahlung und verschärft seinen Sparkurs. Der in München ansässige Chipzulieferer, der unter anderem ein Werk im sächsischen Freiberg betreibt, teilte bei der Vorlage detaillierter Zahlen mit, dass für das abgelaufene Geschäftsjahr keine Ausschüttung an die Aktionäre vorgesehen ist. Im Vorjahr hatte Siltronic noch 20 Cent je Aktie als Dividende gezahlt.
Operativ bekam der SDax-Konzern die Abkühlung im Halbleitermarkt deutlich zu spüren. Der Umsatz sank um knapp 4,7 Prozent auf rund 1,35 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verringerte sich auf rund 317 Millionen Euro und lag damit rund 13 Prozent unter dem Vorjahreswert. Unter dem Strich rutschte das Unternehmen in die roten Zahlen. Siltronic verweist vor allem auf anhaltenden Preisdruck im Wafergeschäft sowie auf ungünstige Wechselkurse des US-Dollars als Belastungsfaktoren.
Als Reaktion auf das schwächere Ergebnis fährt der Konzern seine Investitionspläne deutlich zurück. Das Volumen für das laufende Jahr soll auf maximal 220 Millionen Euro begrenzt werden, nach rund 370 Millionen Euro im Vorjahr. Damit verschafft sich Siltronic finanziellen Spielraum, verzichtet zugleich aber auf einen Teil des zuvor hohen Ausbautempos. In seinem Freiberger Werk beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben 880 Mitarbeiter.
Bereits Mitte Februar hatte Siltronic eine vorsichtige Prognose für das laufende Jahr abgegeben und diese nun bestätigt. Das Management rechnet mit einem anhaltend anspruchsvollen Umfeld, geprägt von Preisdruck, einer rückläufigen Nachfrage nach 200-Millimeter-Wafern und Effekten aus der Anpassung der Fertigung. Der Umsatz dürfte demnach im mittleren einstelligen Prozentbereich unter dem Vorjahr liegen, die Ebitda-Marge zwischen 20 und 24 Prozent – nach 23,5 Prozent im Vorjahr. An der Börse sorgte die gestrichene Dividende laut Handelsumfeld zwar für Druck auf die Aktie, löste aber keine breitere Verunsicherung im ohnehin schwachen SDax aus.